News

Die Zusammenarbeit mit Jürgen Halper ging nach dem letzten Spiel in Leithaprodersdorf zu Ende. Foto: SVO / G. Schmalzer

Jürgen Halper - Ende einer Ära

Seit dem 28.11.2017 war Jürgen Halper bei der SV Klöcher Bau Oberwart als Cheftrainer  tätig, mit dem Spiel am 16.11.2019 in Leithaprodersdorf endete nach ziemlich genau zwei Jahren seine Ära im Informstadion.

Für die SVO-Homepage-Redaktion stand Jürgen Halper noch einmal Rede und Antwort.

SVO-HP:
Wie sieht deine Bilanz am Ende deiner Amtszeit in Oberwart aus?

Jürgen Halper:
Ich hatte in Oberwart zwei schöne Jahre, wir haben im Frühjahr 2017 in der II. Liga Süd eine Aufholjagd gestartet und auf Jennersdorf einen 9-Punkte Rückstand wettgemacht. Wir sind dann noch mit zwei Punkten Vorsprung Meister geworden und in die Burgenlandliga aufgestiegen, wo Oberwart meiner Meinung nach auch hingehört. Wir haben dann im Aufstiegsjahr am Anfang viel Lehrgeld gezahlt und waren nach acht Runden Tabellenletzter. Nach einer tollen Performance sind wir ab der 9. Runde noch bis auf den 5. Platz in der Abschlusstabelle geklettert und noch zweitbester Südverein geworden. Am Ende muss ich aber doch zugeben, dass ich auch mit einem weinenden Auge aus Oberwart weggehe, denn die Ziele, die meine Mannschaft und ich uns für die neue Saison gesteckt haben, sind leider nicht erreicht worden.

SVO-HP:
Welche Ziele waren das und gibt es einen Grund, warum sie nicht erreicht wurden?

Jürgen Halper:
W
ir sind heuer mit sehr vielen Vorschusslorbeeren in die Meisterschaft gestartet und wollten als vermeintlich bessere Mannschaft vorne mitspielen. Dies  ist uns aber leider nicht gelungen, denn auf die Top 3 fehlen uns bereits 18 Punkte. Und weil ein Trainer in erster Linie am sportlichen Erfolg gemessen wird, muss man leider sagen - Ziel nicht erreicht. Wir haben aber andererseits sehr viele junge Spieler in Oberwart entwickelt und sie sukzessive in die beiden Kampfmannschaften installiert. Leider war nicht genug Zeit vorhanden, um diese Integration abzuschließen, das Potential für die Zukunft ist aber auf alle Fälle vorhanden.

SVO-HP:
Es gibt sicherlich eine ganze Reihe von schönen Erlebnissen, auf die du in deiner Oberwarter Zeit zurückblicken kannst.

Jürgen Halper:
Jedes Training war eigentlich ein Erlebnis für mich, wir hatten nach vielen Jahren erstmals ein Trainingslager. Und wenn man eine Woche lang mit beiden Kampfmannschaften komplett arbeiten kann, dann ist das nicht nur vom Sportlichen her prägend, sondern vor allem auch sehr wichtig für das Team-Building.

SVO-HP:
Wie sieht jetzt deine unmittelbare Zukunft aus, gibt es schon Anfragen von anderen Klubs oder willst du dir nach zwei harten Jahren mit sehr vielen gefahrenen Kilometern einmal eine Auszeit gönnen?

Jürgen Halper:
Ja, es gibt einige Anfragen, aber ich möchte zunächst einmal die vergangenen zwei Jahre aufarbeiten und evaluieren. Ich werde einfach zunächst einmal Selbst-Reflektion betreiben und die beiden Saisonen in Oberwart genau analysieren. Eines kann ich aber jetzt schon zu 100 % sagen: Ich werde sicherlich nicht mehr für einen Trainerjob über den Wechsel fahren. Ich werde jetzt einmal die Weihnachtszeit und einen ausgiebigen Urlaub genießen und erst danach entscheiden, ob ich mich gleich wieder in ein Trainer-Abenteuer stürze, ob ich mir eine  längere Auszeit nehme oder ob ich womöglich in einer anderen Funktion bei einem Verein arbeiten werde.

SVO-HP:
Die bisher in deiner Trainerlaufbahn insgesamt und in Oberwart speziell gemachten Erfahrungen werden dir in deinem nächsten Job sicherlich zu Gute kommen, immerhin ist deine Arbeit ja mit einem kontinuierlichen Lernprozess auch für dich selbst verbunden.

Jürgen Halper:
Es ist im Amateurbereich ein komplett anderes Arbeiten als in einem Bundesliga-Verein, man muss sich z. B. seine Vorbereitungsspiele selber vereinbaren. Natürlich habe ich vor allem für mich in den vergangenen 24 Monaten eine ganze Menge dazugelernt. Ich habe eine junge Mannschaft formen dürfen, wobei mir meine Tätigkeit beim Nachwuchs des FAC sehr viel geholfen hat. Man kann aber nicht in zwei Jahren alles aufholen, was in den fünf, sechs Jahren zuvor etwas vernachlässigt worden ist. Was ich mir sicherlich zu Gute halten kann, dass ich alle Spieler gleich behandelt habe, ich habe keinen Unterschied gemacht zwischen arrivierten Spielern und Nachwuchsspielern, die auf dem Sprung in die erste Mannschaft waren. Für den sportlichen Erfolg war es natürlich nötig, sich für einen Stammkader zu entscheiden, aber wenn es möglich war, habe ich auch immer wieder 16- oder 17-jährige Talente eingebaut und ihnen Einsatzminuten bei den "Großen" gegeben. Leider konnte ich diese Jungen nicht so forcieren, wie ich mir selber das gewünscht hätte, aber ich bin überzeugt, dass die Burschen ihren Weg machen werden.

SVO-HP:
Auch wenn das Kapitel Oberwart für dich jetzt beendet ist, nach Verbitterung klingen deine Aussagen keinesfalls.

Jürgen Halper:
Nein, warum auch? Ich habe mit sehr viel Spaß und Freude in den vergangenen Jahren hier gearbeitet, ich habe an einem Meistertitel mitgewirkt, war mit meiner Mannschaft in der Aufstiegssaison auf Anhieb Fünfter. Ich habe sehr viele neue Freunde in Oberwart gewonnen, kann ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel schauen und werde, wenn ich in Oberwart bin, sicherlich das eine oder andere Spiel besuchen. Meinem Nachfolger wünsche ich viel Erfolg, die Basis für viele zukünftige Erfolge ist auf alle Fälle vorhanden.

SVO-HP:
Jürgen, die Homepage-Redaktion sagt Danke für die tolle Zusammenarbeit mit dir in den vergangenen zwei Jahren und wünscht alles Gute für deine weitere Karriere.


Präsident Gerhard Horn gab zum Abgang von Jürgen Halper folgendes Statement ab:

Jürgen hat ohne Zweifel sehr viel zum Aufschwung in Oberwart beigetragen, der Meistertitel 2018 und ein toller fünfter Platz in der Burgenlandliga gleich in der ersten Saison sprechen für sich. Auch heuer hat es sehr gut angefangen, wir waren nach sieben Runden sogar Spitzenreiter, danach kam leider ein Einbruch, der so nicht zu erwarten war. Jürgen Halper kennt die Mechanismen im Fußballgeschäft und hat gewusst, dass nach einer solchen Niederlagenserie der Trainer zur Diskussion steht. Der Vorstand der SVO hat drei Runden vor Ende der Hinrunde einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit mit Jürgen Halper nach dem Spiel in Leithaprodersdorf zu beenden. Wir alle danken Jürgen für seine Leistungen und sein Engagement in den vergangenen zwei Jahren und wünschen ihm sowohl in seiner beruflichen als auch in seiner sportlichen Laufbahn nur das Beste.